
Mehr Ertrag aus jeder Kuh? Das sagt die Wissenschaft zur individuellen Fütterung
Nicht jede Kuh hat denselben Futterbedarf. Untersuchungen zeigen, dass eine individuelle Fütterung zu einer höheren Futterverwertung, besseren Ergebnissen und einer nachhaltigeren Milchproduktion beitragen kann.
14-8-2026 | 5 Min.
Studien belegen: Individuelle Fütterung zahlt sich aus
Jeder Landwirt weiß es: Kühe sind nicht alle gleich. Die eine Kuh gibt viel Milch und hat einen hohen Energiebedarf, während eine andere Kuh bereits mit weniger Kraftfutter hervorragende Leistungen erbringt. Dennoch wird Kraftfutter auf vielen Betrieben nach wie vor größtenteils auf Gruppenebene verfüttert.
Genau darin liegt eine Chance. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Abstimmung des Kraftfutters auf den Bedarf jeder einzelnen Kuh zu einer höheren Futterverwertung, einem besseren wirtschaftlichen Ergebnis und einer geringeren Umweltbelastung beitragen kann.

Warum eine ausreichende Zufuhr von Kraftfutter weiterhin wichtig ist
Bevor wir uns mit der individuellen Fütterung befassen, ist es wichtig zu verstehen, warum Kraftfutter überhaupt eine so wichtige Rolle spielt.
Praxisuntersuchungen auf australischen Milchviehbetrieben zeigen, dass Betriebe, die jährlich mehr Kraftfutter verabreichen, deutlich höhere Milchleistungen erzielen. Zudem wurde eine geringere Emissionsintensität festgestellt, und das Nettoeinkommen pro Kuh stieg im Vergleich zu Betrieben, die weniger Kraftfutter fütterten, erheblich an.
Die Schlussfolgerung lautet nicht, dass mehr Kraftfutter immer besser ist, sondern dass eine gute Ergänzung der Ration einen wichtigen Beitrag zu Produktion, Effizienz und Betriebsergebnis leisten kann.
Das Problem der „durchschnittlichen Kuh“
Viele Fütterungssysteme basieren auf einer „Durchschnittskuh“. In der Praxis gibt es diese jedoch nicht.
Innerhalb jedes Viehbestands unterscheiden sich die Kühe hinsichtlich Milchleistung, Laktationsstadium, Alter und Futterbedarf. Wenn alle Tiere denselben Anteil an Kraftfutter erhalten, kommt es schnell zu Über- oder Unterernährung. Dies geht sowohl zu Lasten der Futterverwertung als auch des Ertrags.
Die individuelle Fütterung durchbricht diesen Ansatz. Dabei erhält jede Kuh eine Kraftfutterration, die besser auf ihren individuellen Bedarf abgestimmt ist. Dadurch können Nährstoffe effizienter verwertet und unnötige Verschwendung vermieden werden.

Was sagt die Wissenschaft dazu?
Immer mehr wissenschaftliche Studien untersuchen die Auswirkungen der individuellen Fütterung bei Milchvieh.
Laut einer aktuellen Literaturstudie von Martins & Hristov kann die Einzelfütterung zu einer effizienteren Nährstoffverwertung, einer höheren Rentabilität und einer nachhaltigeren Milchproduktion beitragen. Darüber hinaus wurde eine potenzielle Verringerung der Methanemissionen und Stickstoffverluste festgestellt.
Die Forscher berichteten:
- Bis zu 10 % weniger Methanemissionen
- Bis zu 40 % weniger Stickstoffverluste über den Urin im Vergleich zu herkömmlichen Fütterungssystemen
Dies steht im Einklang mit dem wachsenden Bedarf der Branche, verfügbare Nährstoffe so effizient wie möglich zu nutzen.
Auch finanziell interessante Ergebnisse
Neben den technischen Vorteilen ergeben sich auch wirtschaftliche Vorteile.
In einer Studie zu individuell optimierten Kraftfutterrationen erzielten Milchkühe im Vergleich zu einer herkömmlichen Fütterungsstrategie einen zusätzlichen Ertrag von etwa 0,40 bis 0,62 € pro Kuh und Tag.
Für einen Betrieb mit 100 Milchkühen bedeutet das potenziell:
- 1.200 € bis 1.860 € zusätzlicher Ertrag pro Monat
- 14.600 € bis 22.630 € zusätzlicher Ertrag pro Jahr
Darüber hinaus prognostizierte ein Optimierungsmodell von Campos et al.:
- 0,4 kg zusätzliche Milch pro Kuh und Tag
- 0,28 € mehr Ertrag über den Futterkosten pro Kuh und Tag
- Einsparungen bei den Futterkosten von bis zu 0,90 € pro Kuh und Tag
Wichtig: Diese Ergebnisse basieren auf den Bedingungen und Preisen zum Zeitpunkt der Untersuchungen. Aufgrund schwankender Milch- und Futterpreise können Ertrag und Amortisationszeit je nach Betrieb variieren.

Weniger Proteinverschwendung
Ein wichtiger Vorteil der individuellen Fütterung liegt in der Verwertung von Eiweiß.
Untersuchungen zeigen, dass bei herkömmlichen Fütterungsstrategien regelmäßig mehr Rohprotein verabreicht wird, als einzelne Kühe tatsächlich benötigen. Die Präzisionsfütterung sorgt dafür, dass die Eiweißversorgung besser auf den Bedarf der Kuh abgestimmt ist, wodurch eine Überfütterung vermieden wird. Dies kann zu einer effizienteren Nährstoffverwertung und geringeren Stickstoffverlusten führen.
Ein logischer Schritt in Richtung Zukunft
Milchviehhalter stehen vor der Herausforderung, aus den verfügbaren Rohstoffen einen höheren Ertrag zu erzielen, während gleichzeitig Emissionen und Nachhaltigkeit im Fokus stehen.
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die individuelle Fütterung zu beiden Zielen beitragen kann. Indem jede Kuh entsprechend ihrem individuellen Bedarf gefüttert wird, entsteht ein besseres Gleichgewicht zwischen Milchproduktion, Futtereffizienz, Nährstoffverwertung und Betriebsrentabilität.
Die individuelle Fütterung ist somit nicht nur eine technologische Entwicklung, sondern vor allem ein praktischer Weg, um mehr aus jeder Kuh und jedem Kilogramm Kraftfutter herauszuholen.
Quellen
Basierend auf wissenschaftlichen Veröffentlichungen von Bach (2014), Souza et al. (2022), Campos et al. (2023), Morey et al. (2023), Dida et al. (2024) und Martins & Hristov (2026).









